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Messkonzept

EEG-Umlage: Achtung! Messkonzepte müssen bis 31.12.2020 umgesetzt sein!


München, 22.06.2020: Nachdem nun die Meldefrist des 31. Mai für alle diejenigen vorbei ist, die im Jahr 2019 (und früher) mit deren Stromerzeugungsanlagen sowohl eigenen Stromverbrauch als auch den Stromverbrauch anderer Rechtspersonen (sog. „Dritter“) bedient haben, steht nun eine weitere Frist bedrohlich nahe: Bis zum 31.12.2020 müssen Messkonzepte umgesetzt sein, um vor allem Schätzungen von sog. Bestandsanlagenbetreiber (im Wesentlichen: Eigenversorgung bereits vor dem 01.01.2014) in der Vergangenheit nicht zu gefährden. Die Abgrenzung von Strommengen mit reduzierter EEG-Umlage und voller EEG-Umlage darf ab dem 01.01.2021 nur noch auf Basis eines Messkonzepts mittels geeichter Messgeräte oder in (eng gesteckten) Ausnahmefällen noch zulässiger Schätzung erfolgen.

Welche wesentlichen Folgen die Frist zum 31.12.2020 hat, erklärt folgender Artikel anhand der Grundlagen, Regelung und Beispielen sowie konkreter Herausforderungen in den nächsten sechs Monaten:

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„EEG-Reförmchen“: Die Mini-EEG Reform hat keine Auswirkungen auf Fristen für Eigenversorger (ausgenommen BesAR)


Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 27.04.2020 einen Gesetzentwurf zur „kleinen Reform“ des EEG vorgelegt. Dieser ist als „Formulierungshilfe“ ausgestaltet und wird am heutigen 29.04. vom Kabinett behandelt.

Neben dem im Entwurf nicht enthaltenen Entfall des sog. „52 GW Deckel„, der eine Förderung von neu zugelassenen PV-Anlagen mit einer Leistung unter 750 kWp entfallen lässt, sobald insgesamt eben mehr als 52 GWp PV-Leistung installiert sind (siehe § 49 Abs. 5 EEG 2017 und Berichte hierzu, u.a. hier), fehlt es an einer Anpassung für dezentrale Eigenerzeuger wichtige Fristen.

So wird zwar im Rahmen der Antragsvoraussetzungen für Letztverbraucher mit Anwendung der besonderen Ausgleichsregelung (§§ 63 EEG ff), die Frist zur Testierung durch den Wirtschaftsprüfer auf den 30.11. in diesem Jahr verschoben, eine Anpassung der Meldepflicht für Drittbelieferungen (31.05.) aber auch zur Umsetzung von Messkonzepten zum 31.12.2020 ist nicht vorgesehen!

Das bedeutet daher weiterhin, dass Eigenversorgern, die auch Dritte innerhalb einer Kundenanlage beliefern im Regelfall nur noch Zeit bis zum 31.05. diesen Jahres verbleibt, die Energiemengen für die Drittbelieferung beim zuständigen Übertragungsnetzbetreiber anzumelden. Ansonsten drohen Pönalisierungen (siehe § 61i EEG 2017), die zu einer Belastung der gesamten (selbst)erzeugten Energiemenge mit 100 % der EEG-Umlage führen können.

Ebenso muss weiterhin (ebenso mit Besuchen bei Mandanten verbunden) ein Messkonzept aufgestellt werden, will man nicht noch nachträglich die Berechtigung zum Schätzen von Drittmengen verlieren (siehe § 108 Abs. 10 EEG 2017).

Über die faktischen Auswirkungen haben wir bereits berichtet. Leider sind die Forderungen nicht erhört worden.

Michael Hill
Rechtsanwalt | Partner

Kanzlei macht Vorschläge zum Umgang mit Meldepflichten hinsichtlich EEG-Umlage in der "Corona-Krise"


Die Kanzlei wurde heute vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) gebeten, Input zu einer möglichen Diskussion hinsichtlich der Auswirkungen der Corona-Krise auf die Meldepflichten der EEG-Umlage bei „Drittbelieferung“ aus eigenen Erzeugungsanlagen zu machen. Im folgenden lesen Sie unsere Stellungnahme, die zur Reduktion der Lasten aller Wirtschaftsbeteiligten, vor allem aber hinsichtlich betroffener medizinischer Anstalte wie Klinikbetrieben, beitragen soll:

Im letzten Jahr haben aufgrund der Änderungen im StromStG flächendeckend Betreiber von KWK-Anlagen mit über 50 kW elektrischer Leistung Abfragen von den zuständigen Hauptzollämtern erhalten, dass diese nun eine Befreiungsantrag hinsichtlich der Stromsteuer für den vor Ort selbst oder durch Dritte verbrauchten Strom stellen müssten. Teil der verpflichtend auszufüllenden Formular war die Frage, ob der Anlagenbetreiber auch „Dritte“ beliefert.

Aufgrund dieser Frage sind Ende 2019 ausnehmend vielen Krankenhäuser und karitative Einrichtungen (Behindertenwerkstätten, Schulen, Studentenwerke) auf die Kanzlei zugekommen und baten um eine Einschätzung, welche Voraussetzungen an eine Drittbelieferung zu stellen sind und welche Auswirkungen diese hätten.

Krankenhäuser sind in den vergangenen Jahren aufgrund des hohen Bedarfes an Wärme und Anforderungen aus den Energieeffizienz-Vorgaben sehr häufig auf Wärme- und Stromerzeugung aus KWK-Anlagen umgestellt worden. Aufgrund der wirtschaftlicheren Eigenversorgung mit Strom – im Gegensatz zur Volleinspeisung – nutzen die, ohnehin wirtschaftlich knapp aufgestellten Häuser, den erzeugten Strom selbst, um Bezugskosten zu sparen.

In fast allen Fällen sind relevante Drittbelieferungen festzustellen, wie bspw. Lieferungen an Blumenhändler, Kioske, Entertainment-Systeme und Medizinische Versorgungszentren (bei Behindertenwerkstätten aber auch bspw. die Vertriebs-GmbHs). Diese Lieferung an Dritte führt nach einhelliger Ansicht dazu, dass die jeweiligen Anlagenbetreiber der KWK-Anlage (eben die Krankenhäuser, etc.) Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind und mindestens für die Drittbelieferungsmengen die volle EEG-Umlage (ggf. bereits seit dem Jahr 2010) schulden. Die Drittlieferungen wurden in der Vergangenheit durch fast alle Krankenhaus-Unternehmen und sonstigen Einrichtungen nicht korrekt abgegrenzt und Meldepflichten versäumt. Damit stehen den Übertragungsnetzbetreibern im Rahmen der EEG-Umlage sehr hohe Nachzahlungsforderungen für die Jahre seit Inbetriebnahme zu. Durchschnittlich ergeben sich bei unserer Mandantschaft durch die vorgesehene erstmalige Meldung im Jahr 2020 Nachzahlungsforderungen der Übertragungsnetzbetreiber in Höhe von 250.000-400.000 € je Mandant zzgl. Zinsen.

Neben der generellen Belastung der Einrichtungen mit der Umlage für die vergangenen Jahre stellt sich aber gerade vor allem der Vor-Ort Besuch zur Prüfung von Drittabnahmen sehr schwer dar. Die Mandanten haben – verständlicherweise – andere Dinge zu tun, sei es die Intensivbetreuung sicher zu stellen oder den Kontakt untereinander einzuschränken (bspw. in den Behindertenwerkstätten).

Die Meldefrist zum 31.05.2020 kann daher voraussichtlich von vielen der betroffenen Einrichtungen – wenn überhaupt – nur dann eingehalten werden, wenn eher eine „zu viel Schätzung“ stattfindet und die Belastung entsprechend höher ist. Das Versäumen einer weiteren Meldefrist am 31.05. kann zu weiteren, stärkeren Belastungen der Einrichtungen führen. Schließlich müssen nach § 104 Abs. 10 EEG bis zum 01.01.2021 Messkonzepte zur Abgrenzung von Drittmengen umgesetzt werden, was aufgrund der aktuellen Krisenlage kaum noch umsetzbar erscheint. Ohne der Umsetzung der Messkonzepte entfällt aber für das Jahr 2020 die Möglichkeit, entsprechende Drittmengen qualifiziert zu schätzen.

Betroffen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Hotel- und Wellnessbetriebe, welche ebenso regelmäßig KWK-Anlagen zur „Eigenversorgung“ nutzen und gegebenenfalls Dritte, wie beispielsweise fremdbetriebene Kosmetikstudios, Spa-Bereiche, Kioske, etc. beliefern. Diese finden sich aber in unserer Mandantschaft kaum. Natürlich sind aber auch Unternehmen mit anderen Eigenerzeugungsanlagen von den Regelungen betroffen.

Konkret wären daher, geordnet nach Dringlichkeit, folgende Maßnahmen im Sinne der Einrichtungen zu wünschen (ggf. übertragbar auf andere Wirtschaftszweige, die ebenso belastet sind):

  1. Verschiebung der Meldefrist für Liefermengen und Eigenverbrauch derzeit zum 31.05. beim Übertragungsnetzbetreiber auf einen späteren Zeitpunkt. Betroffene gesetzliche Regelung: § 74a Abs. 2 EEG 2017
  2. Verschiebung der Übergangsfrist, Schätzungen ohne weitere Voraussetzungen und ohne Umsetzung eines Messkonzepts zuzulassen, auf den 01.01.2022. Betroffene gesetzliche Regelung: § 104 Abs. 10 Satz 2 EEG 2017; Ab 01.01.2022 müssten dann erst dann Messkonzepte umgesetzt werden.
  3. Begrenzung des Rückforderungszeitraums von derzeit 10 Jahren ab erster Kenntnisnahme des Übertragungsnetzbetreibers von deren Anspruch auf Zahlung der EEG-Umlage (§ 199 Abs. 4 BGB) auf 3 Jahre. Gegebenenfalls neue Regelung in § 104 Abs. 12 EEG aufnehmen: „Ansprüche der Übertragungsnetzbetreiber auf Forderung der EEG-Umlage verjähren ohne Rücksicht auf die Kenntnis oder grob fahrlässige Unkenntnis des Übertragungsnetzbetreibers von den Anspruchsvoraussetzungen drei Jahre nach deren Entstehung.“
    • Diese Regelung würde teilweise den wirtschaftlichen Druck auf die Einrichtungen reduzieren.
  4. Erweiterung der Amnestieregelung des § 104 Abs. 11 EEG 2017 auf das Jahr 2018 (und 2019). Betroffene gesetzliche Regelung: § 104 Abs. 11 EEG 2017
    • Die Regelung, dass ggf. Betreiber alter Anlagen für das Jahr 2018 eine volle EEG-Umlage auch auf den eigenversorgten Strom zahlen muss, sollte im Rahmen der wirtschaftlich hohen Belastungsrisiken für das Jahr 2018 und 2019 ggf. überdacht werden.

Diese Maßnahmen könnten – ohne fundamentale Eingriffe in das EEG-Umlagesystem, wie diese heute vom bayrischen Ministerpräsidenten, Herrn Markus Söder, in dessen Regierungserklärung angesprochen wurden – in der aktuellen Situation bereits sehr viel Druck von den angesprochenen Einrichtungen nehmen.

Ein „Aussetzen“ der EEG-Umlage, wie dies von Herrn MP Söder heute angesprochen wurde, könnte – je nach Gestaltung – dazu führen, dass das EEG in Gänze wieder als staatliche Beihilfe gewertet werden würde und die europäischen Genehmigungsprozesse damit Entscheidungen beeinflussen. Auch würden die Förderungen der EEG-Anlagenbetreiber ggf. darunter leiden. Daher lehnen wir einen solch radikalen Schritt derzeit ab.

Hinsichtlich der vom MP vorgeschlagenen zeitweisen Aussetzung der Stromsteuer hingegen, können wir volle Zustimmung signalisieren.

Ebenso regen wir eine ggf. für das Krisenjahr beschränkte Umsatzsteuer von 7 % auf Strom und Gas an, was vor allem den Krankenhäusern, Arztpraxen und weiteren medizinischen Bereichen aufgrund des fehlenden Vorsteuerabzugs, helfen könnte.

Michael Hill
Partner | Rechtsanwalt